
Die pensionierte Boxerin Ning arbeitet im Nagelstudio. Bei ‚Susan’s‘ tragen alle Angestellten schwarze, mittellange Haare, schwarze Jeans, schwarze T-Shirts, schwarze Schuhe – und den Namen Susan. Die Kundschaft kann ihre echten Namen ohnehin nicht aussprechen, geschweige denn auseinanderhalten. An einem scheinbar gewöhnlichen Sommertag feilen, schneiden, lackieren, lachen, nicken und plaudern die Susans, doch hinter ihrem Lächeln verbergen sich Spannungen, Ängste und unerfüllte Wünsche. Ning führt mit unbestechlicher Klarheit durch ihren Arbeitsalltag, die Herabwürdigungen durch Kundinnen und die Machtspiele, die sie bei Laune und am Leben halten.
‚Frag nach Susan‘ erzählt mit bissigem Witz von lackierten Nägeln, von Klassenkämpfen und inneren Kämpfen – und fordert schließlich eine Abrechnung mit der Art und Weise, wie die privilegierte Welt auf Frauen wie Ning blickt.
{Klappentext – gekürzt}
Key Facts:
- Autor: Souvankham Thammavongsa
- Format: eBook (Rezensionsexemplar)
- Seitenzahl: 209 Seiten
- Verlag: Aufbau Digital
- Erschienen: August 2026
- ISBN-Nr: 9783841241559
- Preis: ca. € 16,99 [D] – Buchpreis
Meinung:
Frag nach Susan ist kurzweilig, clever und irgendwie ganz anders, als ich erwartet hatte. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl: Gleich passiert etwas! Ein Überfall, der verärgerte Kunde kommt zurück, irgendeine große Eskalation – aber nichts davon passiert. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Statt Action hält uns das Buch ziemlich geschickt unsere eigenen Erwartungen und Vorurteile gegenüber asiatischen Nagelstudios vor.
Stärken des Buchs:
Besonders mochte ich, wie mit Klischees gespielt wird. Die Kundinnen können die Mitarbeiterinnen angeblich sowieso nicht auseinanderhalten, also heißen einfach alle Susan. Gleichzeitig unterhalten sich die Frauen untereinander und plötzlich sind es die Kundinnen, die ziemlich dämlich dastehen. Auch Details wie Nings fehlender Finger fand ich spannend: Er wird immer wieder erwähnt, aber niemand interessiert sich wirklich dafür. Vielleicht, weil die Kundinnen die Frauen gar nicht als Individuen wahrnehmen? Solche Gedanken machen das Buch richtig interessant.
Schwächen des Buchs:
Viele Fragen bleiben bewusst oder unbewusst offen. Warum Ning nur neun Finger hat, erfahren wir beispielsweise nicht. Auch auf den großen Plot wartet man vergeblich. Ich habe die ganze Zeit mit einer Eskalation gerechnet – und plötzlich war das Buch vorbei. Das kann clever sein, hat mich aber trotzdem etwas unbefriedigt zurückgelassen.
Mein Fazit zu dem Buch:
Ein ungewöhnliches, schnell gelesenes Buch, das weniger durch seine Handlung als durch das lebt, was es beim Lesen mit einem selbst macht. Wer gerne die eigenen Erwartungen und Vorurteile hinterfragt und kein großes Finale braucht, sollte definitiv einen Blick hineinwerfen.
Sternchenbewertung:
★★★
Das Buch bekommt von uns 3 von 5 Sterne.
