Roman

Miroloi

Ein Roman von Karen Köhler

Über eine junge Frau, die sich auflehnt. Gegen die Strukturen ihrer Gesellschaft und für die Freiheit

Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Der Roman erzählt von einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gesellschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert, wenn man sich in einem solchen Dorf als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt, heimlich lesen lernt, sich verliebt? Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte; ein Roman, in dem jedes Detail leuchtet und brennt.


Key Facts:

  • Autor: Karen Köhler
  • Format: Gebundenes Buch
  • Seitenzahl: 464 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag
  • Erschienen: August 2019
  • ISBN-Nr: 978-3446261716
  • Preis: € 24,00 [D] – Buchpreis


Stärken des Buchs:

Erstmal – Wow! Was für ein Cover! Dieser Umschlag hat mich direkt angesprochen! Als ich das Buch im Regal sah, war meine erste Reaktion „wie kann man sowas nur machen?! Da steht ja nur der Autor auf dem Buchrücken!“ – aber, ich musste feststellen – die Gestalter haben sich etwas dabei gedacht! Die Seitenansicht, die normalerweise nur die „leeren Seiten“ zeigt, ist mit einem Umschlag versehen, den man von hinten nach vorne klappt und unter dem Buchcover versteckt, auf diesem steht dann der Titel des Buches. Holy Shit ist das geil! So sieht das Buch von beiden Seiten aus, als würde man den Buchrücken betrachten. Und dann die Haptik des Covers – geprägt, aus Naturpapier und ziemlich fest. Da musste ich einfach zugreifen. Mein Grafiker-Herz ist direkt viel höher geschlagen.

Aber natürlich habe ich das Buch nicht nur wegen des Covers gekauft. Die Story hat mich natürlich auch gereizt:

In dem Buch geht es um ein Findelkind, dass in einem altertümlichen Dorf aufwächst, in dem nur Männer das sagen haben und alles unter strengen Regeln bewacht wird. Nur wer auf der Insel geboren wurde und somit einen Stammbaum hat, darf einen Namen tragen, an den Wahlen teilnehmen, heiraten oder Kinder bekommen. Als Aussätzige hat das Mädchen ohne Namen sogar weniger Rechte als alle anderen Frauen im Dorf und wird zudem sämtlichen Schikanen ausgesetzt, die zuerst als kleine Schuljungen-Streiche durchgehen könnten, später aber immer heftiger und brutaler werden. Frauen auf der Insel wird es grundsätzlich verwehrt, Lesen und Schreiben zu lernen und es obliegt Ihnen, die Ernte einzuholen, den Haushalt zu schmeißen und sich um die Kinder zu kümmern, während die Männer recht wenige Aufgaben haben. Das Mädchen hat das Glück, beim BetsVater oberhalb des Dorfes aufwachsen zu dürfen, wodurch man sie duldet, aber keineswegs akzeptiert. Dieser sieht es als Aufgabe, ihr heimlich einige privilegien beizubringen, die dazu führen, dass sie selber über ihre Existenz und ihre Aufgaben anfängt nachzudenken.

Dass das ganze früher oder später eskalieren muss, ist eigentlich klar. Aber in dem Buch wird eine konstante Spannung aufrecht gehalten, die bis zum Schluss anhält. Jedes mal, wenn man denkt, Köhler hätte dem Buch jetzt den Höhepunkt verpasst, schafft sie es, noch einen drauf zu setzen. Ich habe selten so mit einem Charakter mitgefiebert, wie in diesem Buch.

Der Schreibstil, den Köhler in Miroloi gewählt hat, passt perfekt zum Dorfleben und der Hauptperson. Das Buch wird aus der Sicht der Protagonistin erzählt. Anfänglich ist die Sprache daher noch sehr einfach, Wörter, die für uns eine Bedeutung haben, werden in dem Buch in einen komplett anderen Kontext gesetzt, weil die Dorfbewohner es so gelernt haben. Ein Beispiel – in dem Buch ist der „Wäschetrockner“ der Wind, der die Mühlen antreibt. (S.140).
Später zieht das Know-How der Sprache deutlich mit dem ansteigenden Wissen des Hauptcharakters an, einige Kapitel bestehen dann nur aus Wörtern, die neu gelernt wurden. Andere Kapitel wurden sogar komplett umfunktioniert und als Stilmittel benutzt um Beispielsweise die Leere, die herrscht zu beschreiben. Grandios.

Schwächen des Buchs:

Ich hätte mir ein paar weitere Kapitel zum Ende hin gewünscht. In den letzen Kapitel ist innerhalb von wenigen Abschnitten sehr viel passiert – wurde vorher einzigen Handlungen ein komplette Passage gewidmet, waren in den letzteren Kapiteln so viele wichtige Aktionen, in einzelnen Absätzen vereint.


Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  • Über das Ende des Buches nachgedacht.
  • Meine Lieblingsstellen noch einmal gelesen.
  • Forenbeiträge und andere Rezensionen von Miroloi gelesen.
    Ich musste feststellen, dass die Meinungen über das Buch sehr gemischt sind.

Mein Fazit zu dem Buch:

Man merkt, wie in dem Buch die Gewalt und die Unterdrückung der Frauen stetig Steigt und wie es einige schaffen, daraus ihre Kraft zu ziehen und gegen das Dorf aufzulehnen. Das Buch hat mich fasziniert und angewidert zugleich, ich habe mitgefiebert und gehasst, getrauert, geweint und mich gefreut und zu guter Letzt die ganze Zeit gehofft. Ich weiß nicht, was das Buch mit mir macht, aber ich denke sehr viel über die Ungleichheit, die in diesem Buch, aber auch heute in unserer Welt noch herrscht nach. Wie aus kleinen Verboten, auf einmal etwas großen werden kann. Wie man durch Exklusion Menschen kaputt bekommt und wie man dennoch seine Stärke daraus ziehen kann. Dies alles, vereint in einem Buch – großartig. Ich könnte hier selber einen Roman über die Handlung des Buches schreiben – einfach gesagt: Wer Miroloi nicht gelesen hat, verpasst etwas!


Sternchenbewertung:

★★★★★

Das Buch bekommt von mir 5 von 5 Sternen. Mehr brauche ich nicht dazu sagen. 🙂 LESEN!!!